Festival-Review


Volles Haus für das „Sanfte Töne Festival“

In diesem Jahr dominierten in der Alten Kirche die ruhigen, balladesken Klänge - Neuauflage für 17. Oktober 2026 angekündigt

Der Publikumsandrang war erwartungsgemäß groß. Vor knapp 150 Besuchern – was fast ausverkauft hieß – ging am 18. Oktober in der Alten Kirche Rulfingen zum neunten Mal das SANFTE TÖNE FESTIVAL über die Bühne. REEMA und LEMONY RUG strahlten bei ihren Auftritten Reflektion und Gelassenheit aus. MAJA KEMPER und  BLUMEN FÜR MICH sammeln gerade noch viele Erfahrungen. Bei ihnen hielt sich die Waage zwischen  Unbekümmertheit und Nachdenklichkeit. Alle vier haben sich im etwas anderen Ambiente der Alten Kirche sichtlich wohl gefühlt.  

 

Mit eigenen Songs wie "Die See" und "Meine Haut" eröffnete Singer/Songwriter Blumen für Mich den Abend. Ein erstaunlich selbstbewußter Auftritt des Newcomers.
Mit eigenen Songs wie "Die See" und "Meine Haut" eröffnete Singer/Songwriter Blumen für Mich den Abend. Ein erstaunlich selbstbewußter Auftritt des Newcomers.

 Selbstbewusst und schon erstaunlich abgeklärt eröffnete Singer/Songwriter BLUMEN FÜR MICH mit eigenen Songs den Abend. Stimmlich und kompositorisch gelegentlich etwas an den berühmten Kollegen Faber aus Zürich erinnernd, überraschte er auch mit einem facettenreichen Gitarrenspiel. Seinem Set kam zugute, dass er den vergangenen Sommer über in der Region einige Festivalshows vor größerem Publikum absolvieren und so Auftrittserfahrung konnte. Im Juni veröffentlichte er seine Debüt-EP "Von den Augen". Man darf gespannt sein, wie es für den jungen Ravensburger weiter geht.   


  Die Südbadenerin MAJA KEMPER gewährte in ruhigen Songs Einblick in ihr ganz persönliches Umfeld. Hier war das Publikum ganz nah am Puls einer 19jährigen, teilte ihre Lebenserfahrungen und spürte die Lust der Newcomerin am Entdecken von Neuem – beispielsweise in der "Millionenstadt", wie einer ihrer Songs hieß. Gerade arbeitet die Newcomerin aus Engen im Hegau an Ihren ersten Veröffentlichungen, wie sie in der Alten Kirche verriet. 

 

In seinen gut ins Ohr gehenden Songs spiegeln sich viel Britpop und sogar ein bisschen Americana wider. Gitarrist und Sänger Lemony Rug (aka Léon Rudolf) klingt international.
In seinen gut ins Ohr gehenden Songs spiegeln sich viel Britpop und sogar ein bisschen Americana wider. Gitarrist und Sänger Lemony Rug (aka Léon Rudolf) klingt international.

 LEMONY RUG spielte anschließend Songs seiner neuen EP "Uppercut", inklusive seiner aktuellen Single "Zodiac". Er griff aber auch auf einige ältere Kompositionen zurück, wie die  wunderschöne Americana-Ballade "All These Words", die er mit der kalifornischen Musikerin Lucy Clearwater einspielte. Den leicht melancholischen Unterton, der über seinem Set lag, unterstrich der aus Ulm stammende Gitarrist und Sänger mit einer angenehm zurückhaltenden Bühnenpräsenz. Das entsprach lobenswerterweise so gar nicht der typischen Publikumsanmache vieler Singer/Songwriter-Kollegen, die gerade mehr im Fokus stehen als LEMONY RUG.   

 
 Schnell war klar, mit REEMA stand eine in sich ruhende Persönlichkeit mit viel Charisma auf der Bühne. Ganz ohne Show-Phrasen, nur mit ihrer Musik und Ausstrahlung zog die Singer/Songwriterin sofort die Aufmerksamkeit auf sich. Eine elegische musikalische Darbietung in getragener Stimmung, denn statt von einer Band wurde die Britin nur von Bassklarinettist Stefan Baumann unterstützt. Sein Instrument gab den Songs bisweilen einen sphärischen Klang und erinnerte in den tiefen Tönen manchmal sogar an ein Didgeridoo. REEMA zeigte sich in der Alten Kirche nachdenklich, intensiv und puristisch. Ohne plakativ zu werden, wirkte sie in diesen seltsamen Zeiten reflektiert und politisch wach. Ein Auftritt mit Gänsehaut-Effekt, der die Zuhörer in ihren Bann zog, manche aber auch wegen der ungewohnten Gangart etwas überrascht zurück ließ.  

 

Die Klänge von Bassklarinettist Stefan Baumann gaben den vom Celtic-Folk angehauchten Songs der englischen Singer/Songwriterin Reema einen ganz eigenen Anstrich.
Die Klänge von Bassklarinettist Stefan Baumann gaben den vom Celtic-Folk angehauchten Songs der englischen Singer/Songwriterin Reema einen ganz eigenen Anstrich.

 Fazit: Musikalisch und in der Instrumentierung zeigte sich das SANFTE TÖNE FESTIVAL in der Vergangenheit schon facettenreicher. Ich persönlich hätte zwischen diesen vielen getragenen, folkigen Klängen gerne ein paar Töne Blues, Latin oder Country gehört. Das allgenwärtige Gitarrenspiel war zwar kompetent, aber es kamen diesmal eben fast nur akustische Gitarren und zum Schluss eine Bassklarinette zum Einsatz. Doch das Motto lautet eben nun mal „Sanfte Töne“ und somit war die Musik voll auf die DNA des Festivals zugeschnitten. Was bei dieser Ausgabe jedoch punktete, war das Essenzielle, das die auftretenden Künstler in der Alten Kirche aus ihren Songs herausholten. 


 Wieder einmal exzellent war diese stimmige Kombination aus Licht und Ton, die dem Festival Jahr für Jahr ein ganz eigenes Flair verleiht. Großes Lob an das bewährte Team mit Soundmischer DAVID VOLL und Lichtdesigner JÜRGEN ROOS. Das Publikum war wieder einmal so ruhig und auf die auftretenden Künstler konzentriert, dass es für diese ein Genuss war, einmal auch vermehrt ihre ruhigen Songs zu spielen, wie mehrfach auf der Bühne betont wurde. Zum Schluss kündigte Festival-Booker JOHANNES „JOJO“ SCHNEIDERHAN – ein Lob auch an ihn für seine stets souveräne Organisation und die Moderation - für den 17. Oktober kommenden Jahres bereits die Neuauflage des SANFTE TÖNE FESTIVALS an. 

 

Text & Fotos: Miche Hepp