MICHAEL MORAVEK lässt mit seinem Album "GEORG" (TYXart/Note1) gerade deutschlandweit aufhorchen, und das zu recht. Die Medienresonanz nimmt ordentlich Fahrt auf, neben großen Radiosendern wie dem SWR, HR2 Kultur oder dem Deutschlandfunk haben bisher auch zahlreiche Print- und Onlinemedien berichtet. "GEORG" erinnert an das tragische Schicksal des Hitler-Attentäters Georg Elser. Für den Ravensburger Singer/Songwriter, der mit dem melancholisch gefärbten Indie-Rock seiner Band Planeausters auch erstmals international aufhorchen ließ, ist es das erste deutschsprachige Album – es wird vielleicht auch sein letztes sein.
Im Zuge des von ihm und dem Konstanzer Schauspieler Bernd Wengert erarbeiteten Theaterstückes "13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte" hat sich MICHAEL
MORAVEK intensiv mit Georg Elsers Geschichte befasst und auf Grundlage des Verhörprotokolls der Gestapo vor rund dreieinhalb Jahren die Lieder dazu geschrieben.
Obwohl sie zuerst eigentlich nur für das Theaterstück gedacht waren, hat er nun die Songs im Ravensburger Hinterland mit seiner aktuellen Band Electric Traveling Show eingespielt. Der
Ansatz ist für ein deutschsprachiges Konzeptalbum ungewöhnlich. Auf "GEORG" hat seine dem Americana-Genre zugewandte Musik zwischen Folk, Chanson, Country und Rock ebenso Platz gefunden,
wie auch die bewegende Deutung von Georg Elsers Innenleben.
Heute weiß man, dass der Schrecken des Zweiten Weltkriegs nicht aus heiterem Himmel kam, und auch Georg Elser von einer dunklen Vorahnung erfüllt war. MICHAEL MORAVEK
verfolgte beim Komponieren einen neuen Ansatz, in dem er versuchte, sich in den Mensch Georg Elser hinein zu fühlen, weniger in den Attentäter, behutsam und in lyrischer Gangart. Im Gegensatz zu
früheren Biografien und Filmen, die den Hitler-Attentäter meist als Einzelgänger zeigten, macht er Elser dadurch nahbar. Es sind Songs, die Bilder entstehen lassen, nicht zuletzt wegen der
berührend schönen Musik von Electric Traveling Show.

Erhältlich ist "GEORG" (37:10 Min.) als zweifach aufklappbare Digipak-CD mit 12seitigem Booklet sowie als Vinyl-LP. An den Songs hat MICHAEL MORAVEK im vergangenen Jahr gearbeitet und nochmals komplett auf Englisch nachgetextet. Im kommenden November soll eine englischsprachige Version mit zwei weiteren Songs veröffentlicht werden, die sich auch instrumental vom aktuellen Album unterscheidet.
Anfang Mai brachten MICHAEL MORAVEK und seine Band Electric Traveling Show das Album erstmals und vielleicht auch das einzige Mal für zwei Konzerte auf die Livebühne. "Ob ich es darüber hinaus noch spielen werde, bleibt für mich offen", sagt der Musiker aus dem Schussental. Was nur wenige wissen: Georg Elser war ein hochmusikalischer Mensch, der mit Akkordeon, Kontrabass sowie Zither gleich drei Instrumente spielte und auch in verschiedenen Musikkapellen aktiv war. Hier schließt sich der Kreis. Vielleicht hat MICHAEL MORAVEK auch aus diesem Grund bei der musikalischen Aufarbeitung der Geschichte Georg Elsers eine besondere Nähe gespürt.
Zu Georg Elser:

Georg Elser ist in Königsbronn auf der Ostalb aufgewachsen. Er war unter den Millionen von stummen Mitläufern zwar nicht der Einzige, der im "Großdeutschen Reich" das drohende Unheil kommen
sah, doch nur er hatte den Mut, sich mit einem Attentat gegen Adolf Hitler zu stemmen. "Ich habe den Krieg verhindern wollen", sagte er einmal, und ein "noch größeres Blutvergießen".
Um die Führungsspitze der Nazis auszuschalten, zündete der versierte Handwerker am 8. November 1939 eine selbst gebaute Bombe im Münchner Bürgerbräukeller. Nur knapp vier Wochen vor Beginn
des Überfalls auf Polen begann er in der bayerischen Landeshauptstadt mit den finalen Vorbereitungen. Dass er mit seinem Anschlag nur knapp scheiterte, erfuhr er erst nach seiner Verhaftung in
Konstanz, wohin er sich, mit der neutralen Schweiz als Fluchtziel, abgesetzt hatte.
Seine mit einem Zeitzünder versehene Bombe war zwar pünktlich auf die Minute explodiert, doch Hitler hatte die Kundgebung vorzeitig verlassen. Nach München zurückgebracht, wurde er nach
Verhören und Folterungen als "Sonderhäftling des Führers" in den KZ-Lagern Sachsenhausen und Dachau interniert. In Letzterem wurde Georg Elser am 9. April 1945 auf Anordnung von höchster Stelle
und ohne Prozess getötet. Man vermutet, dass Adolf Hitler selbst die Ermordung veranlasst hat.
Wer sich mit Georg Elsers Schicksal näher befassen möchte, kann die beiden informativen Webseiten www.georg-elser.de und www.georg-elser-arbeitskreis.de besuchen, einen der Filme von Klaus Maria Brandauer und Oliver Hirschbiegel über ihn anschauen
oder natürlich Bernd Wengerts und Michael Moraveks Theaterstück „13 Minuten – Wie Georg Elser beinahe die Welt verändert hätte“ besuchen.
Miche Hepp