Musiker-Szene


Blues und Rock ohne Zeitlimit

Ausnahmegitarrist Werner Dannemann feiert sein 60jähriges Bühnenjubiläum und blickt auf ein bewegtes Leben als Musiker zurück

Als WERNER DANNEMANN vor 30 Jahren vom Musikmagazin "MamBo" gefragt wurde, welche zehn Longplayer er auf die einsame Insel mitnehmen würde, tauchten Namen wie Genesis, Jethro Tull, Beethoven, Händel, Peter Green, Free oder Steely Dan auf. Den Gitarristen und Sänger also auf das scheinbar ewig gleiche Rauf- und Runterspielen von Zwölf-Takt-Rhythmen reduzieren zu wollen, täte ihm unrecht. Obwohl immer im Schatten des Blues‘ stehend, liefert er seit Jahrzehnten immer mal wieder mit spannenden Exkursionen zum Progressive-Rock und zur spirituellen Folk-Musik den gegenteiligen Beweis. Am Samstag, 24. Januar 2026, feiert er mit einem großen Konzert in der Eislinger Stadthalle mit etlichen Weggefährten aus allen Epochen seiner Laufbahn sein 60jähriges Bühnenjubiläum. Beginn ist um 19 Uhr.

 

Werner Dannemann bei einem Konzert im Jahr 1990 in der Riedlinger Stadthalle. Foto: Miche Hepp
Werner Dannemann bei einem Konzert im Jahr 1990 in der Riedlinger Stadthalle. Foto: Miche Hepp

 WERNER DANNEMANN belebt schon seit Mitte der 60er-Jahre die süddeutsche Blues- und Rockszene. Als Mitglied von EULENSPYGEL, TURO’S TUTTI, der CHARLY SCHRECKSCHUSS BAND aus Hamburg sowie als Gitarrist und Sänger der Hardrock-Band TOX konnte er sich überregional einen Namen machen. Bei seinem ambitionierten Stimmenprojekt OPERA NOVA vermischt er seit Ende der 90er-Jahre in eigenen Kompositionen Klassik, Blues, Romantik, Oper und Pop zu einem so noch nie gehörten Song-Ereignis, das überwiegend in Kirchen zu erleben ist. Seit der gelernte Gärtner Mitte der 70er-Jahre eine altenglische Bibel in die Hände bekam und sich mit ihr intensiv auseinandergesetzt hat, spielen spirituelle Texte wie eben bei OPERA NOVA eine große Rolle in seinem Werk.

 

 Sein klassisches Rock-Trio - hier arbeitet er seit Jahrzehnten mit seiner bewährten Rhythmusachse Bernd Berroth am Bass und Drummer Peter Knapp zusammen - steht er für handgemachten Sound, der seine musikalischen Wurzeln im britischen Blues-Boom und Psychedelic-Rock der Endsechziger hat. Doch ein WERNER DANNEMANN ist auch immer für Überraschungen gut. So wagte er sich beispielsweise im Herbst 2024 in dieser klassischen Dreierbesetzung bei diversen Konzerten an die Live-Umsetzung der "Bare Wires Suite" von John Mayall. Der "Father Of British Blues" hatte das anspruchsvolle und jazzig gefärbte Songmedley im Jahr 1968 mit Orgel-Dominanz und einem kompletten Bläsersatz eingespielt. 

 

The Froggs im Jahr 1966. Werner Dannemanns erste von seinen zahlreichen Bandstationen. Foto: Archiv Werner Dannemann
The Froggs im Jahr 1966. Werner Dannemanns erste von seinen zahlreichen Bandstationen. Foto: Archiv Werner Dannemann

 Doch der Reihe nach: Nachdem er bereits als Siebenjähriger die erste Gitarre bekommen hatte, spielte WERNER DANNEMANN sein erstes öffentliches Konzert im Dezember 1965 mit der Schülerband THE FROGGS, bei der er kurz zuvor eingestiegen war. Der 13jährige Neuzugang mit geliehener E-Gitarre und einem zum Verstärker umfunktionierten Volksempfänger seines verstorbenen Vaters. Im Gemeindehaus von Großeislingen wurden Coverversionen diverser Hits der Beatles, Rolling Stones, Monkeys und Kinks abgefeiert – bis nach einer Stunde der erboste Pfarrer kam, den Auftritt abbrach und das zahlreich erschienene Publikum samt Band aus dem Saal geworfen hat. Zudem ist an jenem Tag der freundliche fremde Mann, der den Jungs spontan angeboten hatte, an der Eingangstür die 50 Pfennig Eintritt zu kassieren, mit der eingenommenen Gage samt Kasse auf Nimmerwiedersehen verschwunden. 

 WERNER DANNEMANN ließ sich von diesem ersten Negativerlebnis im Musikbiz nicht entmutigen und machte ab 1967 als Gitarrist und Sänger bei THE FLYING DUTCHMAN und der deutsch-amerikanischen Formation SOUL ORGANISATION weiter. Letztere trat mit einem Cover-Programm oft in den Clubs der US-Kasernen auf. Anfang 1970 gründete er die Psychedelic-Rock-Band E PLURIBUS UNUM, die im Jahr darauf bei einem Konzert in Göppingen mit Black Sabbath eine Vorgruppe hatte, die später mal weltberühmt werden sollte. Darüber hinaus konnten die Jungs mit zahlreichen Gigs als Einheizer für unter anderem UFO, Golden Earring, Man und Warm Dust ihre Popularität steigern. 

 

In den 70ern hatte Werner Dannemann eine Cream-Tributeband. Damals war der Gedanke unvorstellbar, einmal mit seinem Idol Jack Bruce von Cream gemeinsam auf der Bühne zu stehen. 2013 spielte er in Stuttgart ein Konzert mit ihm. Foto: Hinterland-Archiv
In den 70ern hatte Werner Dannemann eine Cream-Tributeband. Damals war der Gedanke unvorstellbar, einmal mit seinem Idol Jack Bruce von Cream gemeinsam auf der Bühne zu stehen. 2013 spielte er in Stuttgart ein Konzert mit ihm. Foto: Hinterland-Archiv

 Nach der kurzlebigen Rockformation PLANT und einem durch finanzielle Knappheit erforderlichen Engagement in Norwegen bei einer Tanzkapelle durchlebte der junge Profi die 70er-Jahre mit den Bandstationen GRANNY SMISS, FORTRESS, DOGS ROAD und FRESH CREAM (eine Cream-Tributeband – auch damals gab es das schon). Eine besondere Begegnung spielte sich um 1973 bei einer Session im Frankenland ab. Dort war der Manager der Scorpions anwesend und zeigte sich begeistert von DANNEMANNS Gitarrenspiel. Er bot ihm an, ihn bei der Hardrock-Band aus Hannover als Nachfolger des ausgestiegenen Michael Schenker zu empfehlen. Doch dieser hatte andere Pläne. Wer weiß, wie die Karriere des jungen schwäbischen Talents verlaufen wäre, hätte er zugesagt.   

 

 Nachdem er mit kurzzeitigen Engagements bei den beiden Bands EULENSPYGEL und TURO’S TUTTI erste Deutschrock-Erfahrungen gemacht hat, zog es den "Bluesgärtner" (Pressezitat) 1981 in die Hansestadt Hamburg, um als Studiomusiker in Otto Waalkes legendärem "Rüssl Tonstudio" zu arbeiten. Dort entstand im Jahr darauf unter dem Projektnamen 21 HOURS mit Drummer Micki Stickdorn (Falco, Heinz Rudolf Kunze, Achim Reichel u.a.) und Bassist Frank Fischer (Release Music Orchestra, Elephant, Juke u.a.) ein Longplayer mit 12 Songs, der leider unveröffentlicht blieb. Stilistisch bewegte sich das Trio mit seinem vom New Wave angehauchten Gitarrenrock im Windschatten der Band The Police.   
   
 Zurück in der Heimat hielt WERNER DANNEMANN 1985 mit "Prince Of Darkness" endlich das erste Album seiner Laufbahn in den Händen. Eingespielt vom zwei Jahre zuvor von ihm mitgegründeten Hardrock-Trio TOX, das es auf zwei Platten brachte, die man in sieben verschiedenen Ländern Europas veröffentlichte. Das Debüt wurde im Sommer 2024 vom Label "Golden Core" auf Vinyl und CD wiederveröffentlicht. Auf der CD-Version gibt’s übrigens das selbstbetitelte zweite Album gleich komplett mit dazu.  

Werner Dannemann und Wolle Kriwanek bei einem Duo-Auftritt im Oktober 2000 in der restlos ausverkauften Alten Kirche in Rulfingen. Foto: Miche Hepp
Werner Dannemann und Wolle Kriwanek bei einem Duo-Auftritt im Oktober 2000 in der restlos ausverkauften Alten Kirche in Rulfingen. Foto: Miche Hepp

 Nachdem er mit kurzzeitigen Engagements bei den beiden Bands EULENSPYGEL und TURO’S TUTTI erste Deutschrock-Erfahrungen gemacht hat, zog es den "Bluesgärtner" (Pressezitat) 1981 in die Hansestadt Hamburg, um als Studiomusiker in Otto Waalkes legendärem "Rüssl Tonstudio" zu arbeiten. Dort entstand im Jahr darauf unter dem Projektnamen 21 HOURS mit Drummer Micki Stickdorn (Falco, Heinz Rudolf Kunze, Achim Reichel u.a.) und Bassist Frank Fischer (Release Music Orchestra, Elephant, Juke u.a.) ein Longplayer mit 12 Songs, der leider unveröffentlicht blieb. Stilistisch bewegte sich das Trio mit seinem vom New Wave angehauchten Gitarrenrock im Windschatten der Band The Police.   
   
 Zurück in der Heimat hielt WERNER DANNEMANN 1985 mit "Prince Of Darkness" endlich das erste Album seiner Laufbahn in den Händen. Eingespielt vom zwei Jahre zuvor von ihm mitgegründeten Hardrock-Trio TOX, das es auf zwei Platten brachte, die man in sieben verschiedenen Ländern Europas veröffentlichte. Das Debüt wurde im Sommer 2024 vom Label "Golden Core" auf Vinyl und CD wiederveröffentlicht. Auf der CD-Version gibt’s übrigens das selbstbetitelte zweite Album gleich komplett mit dazu.  

 

Ein gemeinsamer Auftritt mit mit dem britischen Musiker Miller Anderson in der 90er-Jahren. Foto: Archiv Dannemann
Ein gemeinsamer Auftritt mit mit dem britischen Musiker Miller Anderson in der 90er-Jahren. Foto: Archiv Dannemann

 Danach folgten die Kapitel MAXWELL BLUES BAND und MAMA KEEP COOL, wo WERNER DANNEMANN wieder mehr auf Blues-Kurs war. Getragen von der erneuten Renaissance des Bluesrocks, mit Erfolgen von Kollegen wie Stevie Ray Vaughan, Gary Moore oder Jeff Healey, ging er 1989 erstmals mit seiner bis heute bestehenden Band DANNEMANN & FRIENDS auf Tour. 1992 folgte mit "Concrete Garden" das erste Album unter eigenem Namen. Mit 5.000 verkauften Exemplaren ein Achtungserfolg. Seither sind, abgesehen von diversen anderen Projekten wie die eingangs erwähnte Formation OPERA NOVA, knapp 40 Albumproduktionen von ihm erschienen. Dazu kommen Hunderte von Gigs, unter anderem im Vorprogramm von Manfred Mann’s Earth Band, Savoy Brown, Climax Blues Band, BAP, The Hooters und Willy DeVille. Im Duo mit dem britischen Rockmusiker Miller Anderson (Keef Hartley Band, T-Rex, Mountain, Spencer Davis Group u.a.) ging er gleich mehrfach auf Tournee durch den Südwesten der Republik. Wenig bekannt ist übrigens, dass WERNER DANNEMANN nicht nur an der Seite von Cream-Legende Jack Bruce und Pete Haycock (Climax Blues Band) aufgetreten ist, sondern auch als Gitarrist bei der Spencer Davis Group ausgeholfen hat.

 Trotz etwa 5.000 gespielter Gigs in 60 Jahren stellte sich für den "Ausnahmegitarrist" (Schwarzwälder Bote) der ganz große Erfolg nicht ein. Vielleicht auch, weil WERNER DANNEMANN all die Jahre bei sich selbst geblieben ist, sein eigenes Ding durchgezogen hat. Sich nicht den Profiteuren im Rockbusiness  angebiedert und verkauft hat. Nicht jeder gerade angesagten „Neuen Welle“ hinterhergelaufen ist. Dennoch ist er seit Jahrzehnten eine der prägendsten Persönlichkeiten der Blues- und Rockszene im Südwesten. Oder wie hielt der leider schon verstorbene Schwobarocker Wolle Kriwanek in den 90er-Jahren einmal fest: "Seine Gitarre ist aus der Szene im Ländle nicht mehr wegzudenken." 

 

Werner Dannemann im Jahr 2007 im Stuttgarter "Laboratorium" mit Pete Haycock von der Climax Blues Band. Foto: Archiv Dannemann
Werner Dannemann im Jahr 2007 im Stuttgarter "Laboratorium" mit Pete Haycock von der Climax Blues Band. Foto: Archiv Dannemann

Discografie:  

 

Tox

Prince Of The Darkness (1985), Tox (1986),

 

Dannemann

Concrete Garden (1992), Love And Bread (1993), Presence Of The Soul (1995), Große Jungen (mit Alex Köberlein), Goddess (1997), Tiger's Labyrinth (1998), 33 Years On Stage (1998), Counter Part (2002), New Songs Of Love (2004), Clara & Franceso (2004), The Psalm Of The Goddess - Live (2005),

Von Felsen und Sybillen (2005), Sahara (2006), Das 3. Testament (2007), Peace (2008), Gnosis And Feeling (2010),

The Green Blues (2011), Musik ist Heimat (2012); Beyond The Horizon (2012), Funny Toes (2012), Live From The Lab (2014), Gravity (2015), Woman (2016), The Song Of Songs In Rock (2016), I Brauch Lux (2017), Shades Of Green (2018), Flames At Montsegur (2018), Waiting For The Rain (2019), Seven Songs
For God (2020), Mystique (2021), Live! (2022), 2nd Romantic Discovery (2022), War Over Europe (2023), Traveller (2023),
Hohenstaufen - eine Trilogie (2025), 11 Similar Songs (2025)
 

Fotosession 1988 mit Werner Dannemanns "Schlangen-Gitarre". Foto: Promo
Fotosession 1988 mit Werner Dannemanns "Schlangen-Gitarre". Foto: Promo

Opera Nova

Jesus On The Mount Of Olives (2000), II (2002), None Like You (2005), Aurcus (2016) 

 

Bandstationen:

 

60er:

The Froggs, The Flying Dutchman, Soul Organisation

70er:

E Pluribus Unum, Plant, Fortress, Dogs Road, Granny Smiss, Fresh Cream, Eulenspygel

80er: 

Turo's Tutti, 21 Hours, Tox, Dan & The Swimming Fool, Maxwell Blues Band, Mama Keep Cool, Charly Schreckschuss Band, Dannemann & Friends

90er:

The Blues Bandits, Romantic Discovery, The Clever Twats, Dannemann & Köberlein, Miller Anderson & Werner Dannemann 

 

Obige Angaben sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit. DANNEMANN & FRIENDS sind immer noch auf Tour. Hier geht's zu den bei uns gelisteten Terminen. 

Ansonsten: www.dannemannguitarist.com

 

 

Text: Miche Hepp

 

 

Noch ein paar Fotos: 

 

Die Bildrechte können leider nicht mehr komplett festgestellt werden.

Unter anderem stammen die Fotos von Michael Bargende, Rainer Bissmann, Joachim Stark-Frick

und Miche Hepp. Weitere Quellen: Archiv Werner Dannemann, Hinterland-Archiv.