Konzert-Tipp


Alternative-Rock-Highlights

Im Großraum Stuttgart melden sich von Juni bis August 2020 Hochkaräter wie Incubus, Faith No More und Paul Weller zurück

Ihre Hits waren in den 1990er- und Nuller-Jahren fester Bestandteil jeder amtlichen Alternative-Playlist. In Stuttgart und Ludwigsburg treten in diesem Sommer 3 DOORS DOWN, INCUBUS, FAITH NO MORE, PAUL WELLER und LIMP BIZKIT auf. Ein echtes Independent-Highlight dagegen ist der Auftritt der Band TAV FALCO PANTHER BURNS im Club "Goldmark's". Für alle sechs Konzerte hat der Vorverkauf bereits begonnen.

 

Faith No More aus San Francisco war eine der ersten Bands, die zur Begeisterung von Kritikern und Fans mit einer Fusion aus Hardcore, Funk, Pop und Rock experimentierte. Foto: Jimmy Hubbard
Faith No More aus San Francisco war eine der ersten Bands, die zur Begeisterung von Kritikern und Fans mit einer Fusion aus Hardcore, Funk, Pop und Rock experimentierte. Foto: Jimmy Hubbard

 3 DOORS DOWN feiern am 10. Juni in der Ludwigsburger MHP-Arena das 20jährige Jubiläum ihres platin-veredelten Debütalbums "The Better Life". Mit ihrer Melange aus Elementen des Southernrocks, Grunge und Alternative war die blutjunge Band  aus Escatawpa/Mississippi bald weltweit erfolgreich. Mit zwölf Platin-Auszeichnungen und sieben Nummer 1-Hits in den USA ist 3 DOORS DOWN in den Staaten eine der erfolgreichsten Rockbands. In Europa umstritten ist allerdings ihr Patriotismus, aus dem die Band keinen Hehl macht. Dazu Sänger Brad Arnold: "Of course we’re not pro war. Nobody likes war. Everybody knows what war brings. But we do support our men and women in the military."

 Die Band INCUBUS erspielte sich in den Nuller-Jahren bei vielen großen europäischen Festivals eine treue Fangemeinde. Von ihren Singles kam im Jahr 2007 die melancholische Ballade "Love Hurts" in die deutschen Top 30. Ebenfalls noch heute im Ohr vieler Rockfans ist das treibende "Megalomaniac" vom Longplayer "A Crow Left of Murder" (2004) der sich auf Platz 2 der Deutschen Album-Charts festsetzen konnte. Weltweit konnten die fünf Kalifornier bislang mehr als 23 Millionen Tonträger absetzen. Mit der  neuen EP "Trustfall" im Tourgepäck kommen sie am 12. Juni in die Porsche-Arena.

 

 Nach fünfjähriger Tourneeabstinenz stattet uns FAITH NO MORE mal wieder einen Besuch ab. Am 22. Juni spielt die 1982 gegründete kalifornische Band um den charismatischen Frontmann Mike Patton in der Stuttgarter Schleyerhalle eins von zwei in Deutschland anberaumten Konzerten. Ihre Alben "Real Thing" (1989) und "Angel Dust" (1992) gelten als Klassiker des Alternative-Rocks. Auf Letzterem befindet sich die Commodores-Coverversion "I'm Easy", mit der Patton und Kollegen einen echten Welthit landen konnten, der auch heute noch regelmäßig im Radio zu hören ist. Bekannt ist FAITH NO MORE vor allem für eine unorthodoxe musikalische Gangart und viel Selbstironie. "Wir sind nicht alternativ, sondern eine Rockgruppe und Mainstream - ein bisschen schäme ich mich deswegen", sagte Bassist Billy Gould einmal augenzwinkernd. Man darf gespannt sein, was sich die Band für ihre kommende Tour einfallen lässt.

 

Paul Weller Foto: Nicole Nodland
Paul Weller Foto: Nicole Nodland

 Niemand Geringerer als PAUL WELLER kommt ebenfalls in diesem Sommer nach Stuttgart. "The Modfather of Brit-Pop" wird am 15. Juli das "Wizemann" beehren. Mit seinen Bands The Jam und The Style Council schrieb der Musiker in den 70er- und 80er-Jahren maßgeblich an der Geschichte des englischen Rock und Pop mit. Hatte er sich früher dem punkigen Sixties-Beat und Northern-Soul verschrieben, so basiert sein Songwriting für die späteren Soloalben auf einer soliden Rhythm'n'Blues-Basis. Sein erfolgreichstes, im Jahr 1995 veröffentlichtes  Album "Stanley Road" wurde in Großbritannien mit Vierfach-Platin ausgezeichnet. Ebenfalls herausragend ist auch der 1994er-Konzertmitschnitt "Live Wood", auf dem der Brite und seine Band stimmungsvoll kraftvollen Rock mit balladeskem Britpop kombinieren. Nach den essentiellen Bandkapiteln The Jam, The Style Council sowie mit insgesamt 25 Albumveröffentlichungen und seinem ureigenen Mod-Style kann PAUL WELLER zurecht als eine der Pop-Ikonen Englands bezeichnet werden.       

 Mehr als 70.000 Rockfans wollten im vergangenen Sommer LIMP BIZKIT hierzulande live erleben. Die Tour, darunter etliche Open Air-Shows, wurde zum vollen Erfolg. Nun gibt es Nachschlag von der Band aus Jacksonville/Florida. Am 5. August legt die Combo um  Shouter Fred Durst in der Schleyerhalle los. Ihren Durchbruch schafften sie Ende der 1990er-Jahre. Ihr Mix aus Metal, Rap und Rock stieß anfangs vor allem bei Musikerkollegen (unter anderem bei der schon damals etablierten Band Korn) auf offene Ohren und machte den Weg für attraktive Tourneen mit bekannten Bands sowie Gigs auf großen Open Airs frei. Mit "Results May Vary" (2003) und "Gold Cobra" (2011) setzten sich LIMP BIZKIT auf Platz 1 der Deutschen Albumcharts fest. Ihr größter Single-Erfolg in Europa war im Jahr 2003 die gelungene Coverversion "Behind Blue Eyes", im Original von The Who. In Deutschland erreichte diese Nummer Platz 2 der Charts. Seit etwas mehr als zehn Jahren tourt die Band wieder in Originalbesetzung. Also auch mit Gitarrist Wes Borland, der mit seinen schwarzen Kontaktlinsen neben Fred Durts als zweites Aushängeschild von LIMP BIZKIT gilt.

 

Tav Falco Panther Burns aus Memphis/Tennessee  gehören mit ihrer ureigenen psychedelischen Auslegung amerikanischer Roots-Music zu den Pionieren des trashigen Blues und Rock'n Roll. Foto: Maria Feranda De Freitas
Tav Falco Panther Burns aus Memphis/Tennessee gehören mit ihrer ureigenen psychedelischen Auslegung amerikanischer Roots-Music zu den Pionieren des trashigen Blues und Rock'n Roll. Foto: Maria Feranda De Freitas

 Last but not least möchten wir auf ein Urgestein aus den amerikanischen Südstaaten hinweisen, das in all den Jahren ein echter Insider-Tipp geblieben ist. TAV FALCO kann mit Fug und Recht als echte Legende der Indie- und Alternative-Szene bezeichnet werden. Mit seiner punkig angehauchten Melange aus klassischem Rockabilly, psychedelischem Garagenrock, Soul und Blues bereitete der Gitarrist und Sänger aus Memphis/Tennessee bereits Ende der 70er-Jahre den Boden für spätere Erfolgsbands wie Black Rebel Motorcycle Club, Jon Spencer Blues Explosion oder Kitty Daisy & Lewis. Heute spielt der 74jährige Musiker, Schauspieler und Fotokünstler bei seinen Auftritten neben dem angestammten Garage-Rhythm'n'Blues zwischendurch auch schon mal einen echten Tango. Mit seiner Band TAV FALCO PANTHER BURNS stellt das Multitalent am 24. April im Stuttgarter "Goldmark's" sein aktuelles Studioalbum "Cabaret Of Daggers" vor.

 

 

 

Text: Miche Hepp

Fotos: Promo