Am 13. Dezember hat sich MOLLY HATCHET im Obermarchtaler „Kreuz“ zurückgemeldet. Es war bereits das vierte Mal, dass die Southernrock-Legende in der oberschwäbischen Konzertkneipe loslegte. Der Saal war zwar nicht komplett ausverkauft, aber rappelvoll. Da hätten nicht mehr viele Besucher reingepasst. Das Publikum kam zum Teil von weit her angereist. So sind ein paar langjährige Fans extra aus Frankreich gekommen, da die Band dort nicht auf Tour ging.

Es war ein deutlich wilderer Auftritt als beim „Kreuz“-Gig im Jahr 2019, wo ich ebenfalls anwesend war. Nicht zuletzt war dies dem Neuzugang Garrett Ramsden an den Drums geschuldet, der die Band mit ordentlich Punch voran trieb. Der 30jährige aus Detroit Rock City ist mit deutlich intensiverer Gangart unterwegs als sein Vorgänger Shawn Beamer. Sein auf den Punkt gebrachtes Spiel bringt knackige Frische in den Bandsound. Shouter Parker Lee – er war schon 2023 im „Kreuz“ mit dabei – sorgt mit seinem Gesang ebenfalls für neue Facetten. Nicht jeder Fan scheint damit klarzukommen, dass er nicht so kernig und sonor klingt, wie bislang von den Frontmännern bei MOLLY HATCHET gewohnt. Einmal, bei einem psychedelisch anhauchten Teil des Sets, fühlte ich mich sogar etwas an Jim Morrison von den Doors erinnert. Diese Frischzellenkur am Drumset und Frontmic tat der Altherren-Riege gut. Sichtlich gutgelaunt ließen sich Bandleader und Gitarrist Bobby Ingram, Bassist Tim Lindsay und Keyboarder John Galvin auf der Bühne von den beiden Jungspunden mitreißen.
Ansonsten bot der Abend, was viele an den Southernrock-Urgesteinen aus Jacksonville/Florida schätzen: Eine klassische Setliste, die seit Jahrzehnten mit dem unverwüstlichen „Whiskey Man“ startet und mit dem MH-Signatur-Song „“Flirtin‘ With Disaster“ endet. Dazwischen etliche bandeigene Filetstücke wie „Boogie No More“, „Beatin‘ The Odds“ und „Gator Country“. Das Allman Brothers-Cover „Dreams I’ll Never See“ durfte natürlich ebenso wenig fehlen, wie die epische Anti-Gewalt-Ballade "Fall Of The Peacemakers".

Wieder einmal wurde auch das erste neue Studioalbum seit dem Jahr 2010 angekündigt. Bleibt abzuwarten, ob es irgendwann wirklich noch soweit kommt. Schade, dass die Band in Obermarchtal nicht ihre Vorab-Single „Firing Line“ abfeierte. Ein richtig guter Song in der typischen Art von MOLLY HATCHET, der gut ins Set gepasst hätte.
Ein deutliches Manko war die diesmal infernalische Lautstärke der Southern-Rocker, die einige Besucher – unter anderem auch mich - nach kurzer Zeit zur Flucht aus den ersten Reihen vor der Bühne in den rückwärtigen Teil der Location veranlasste. Auf der Bühnenseite von Bobby Ingram war es besonders krass. Dessen Marshall-Amps waren dermaßen laut eingestellt, dass vor der Bühne kein differenziertes Klangbild mehr möglich war. Übrigens war die krasse Lautstärke auch Thema bei allen anderen Reviews zu dieser Tour durch Deutschland und die Schweiz. Es kommt nicht oft vor, dass die Vorband einen besseren Sound hat als der Haupt-Act. In Obermarchtal war da so. Als Einheizer war MY OWN GHOST aus Luxemburg mit angereist. Die vierköpfige Band um Sängerin Julie Rodesch hat sich klassischem Hardrock mit eingängigen Hooklines verschrieben. MY OWN GHOST war zuvor bereits als Tour-Support für Nazareth, Tarja Turunen, Puddle Of Mudd, The Calling sowie Loudness unterwegs und scheint sich ziemlich wohl in dieser Rolle zu fühlen. Ihr Soundmischer hatte die Sache gut im Griff. Das gut ins Ohr gehende Songmaterial und die angenehm-unaufdringliche Bühnenpräsenz der Luxemburger erhielten jedenfalls anerkennenden Beifall.

Fazit des Abends:
Mit diesem Line-Up hat MOLLY HATCHET noch ordentlich Feuer. Die Einstellung der Musiker stimmte, man hatte das Gefühl, dass die Band darauf brannte, mit ihren Fans auf Tuchfühlung zu gehen, um eine gute gemeinsame Zeit zu haben. Und mein Wunsch seit Jahren: Auch wenn er seine Sache gut macht, vielleicht lässt Bobby Ingram bei der kommenden Tour ein bis zwei weitere Gitarristen zu und überrascht uns mit einer Neuauflage der legendären "Guitar Army". Der Wermutstropfen war die vollkommen unnötige und mörderische Lautstärke, die gereicht hätte, ein ganzes Stadion zu beschallen. Also beim nächsten Mal bitte einen anderen Soundmischer mitbringen. Vielen Dank an Kreuz-Wirt Rich Knab für die problemlose Presse-Akkreditierung!
Setliste:
Whiskey Man, Bounty Hunter, Gator Country,
One Man's Pleasure, Devil’s Canyon, Beatin‘ The Odds,
Live Die, Stronger, Fall Of The Peacemakers,
I'm Gonna Live Til I Die, Jukin‘ City/Layla,
Dreams I’ll Never See
Zugaben: Boogie No More, Flirtin‘ With Disaster
Text und Fotos: Miche Hepp